„Wir müssen Kinder wohlwollend behandeln“ – Ein Gespräch mit Herbert Renz-Polster

Kinderarzt und Buchautor Herbert Renz-Polster

Wir erleben hier in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern weltweit, einen Rechtsruck. Rechtspopulistische Parteien etablieren sich und auch der politisch-gesellschaftliche Diskurs scheint weiter nach rechts zu rücken. Wie konnte es so weit kommen? Wie entstehen autoritäre Haltungen und Strukturen? Der Kinderarzt und Wissenschaftler Herbert Renz-Polster hat sich genau mit diesem Thema auseinandergesetzt und ein Buch geschrieben („Erziehung prägt Gesinnung“ – erschienen im Kösel Verlag). Ich habe mich mit ihm getroffen, wir haben über Politik, Gesellschaft, Bildung und Pädagogik gesprochen und darüber wie all das miteinander zusammenhängt.

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Können Mädchen, die mit Puppen spielen auch Feministinnen werden?

Hätte ich als Kind schon gewusst, dass ich mich eines Tages als Feministin bezeichnen würde und dass ich Geschlechterklischees für problematisch erachte, wäre ich möglicherweise im Kindergarten nicht dauernd in der Puppenecke gewesen? Vielleicht hätte ich mich dann weniger als Prinzessin verkleidet und weniger Vater-Mutter-Kind gespielt? Im Spiel waren unsere Rollen nach dem klassischen Rollenmuster verteilt: Es gab Väter (die immer auf Geschäftsreise waren, weil sie keiner spielen wollte) und Mütter mit ihren Kindern. Wir Puppenmütter haben im Spiel unsere Kinder versorgt, gingen einkaufen, haben gekocht und gebügelt – wir taten im Grunde all das, womit eine Frau bzw. eine Mutter gesellschaftlich identifiziert wurde und immer noch wird. Wir spiegelten die Norm der gesellschaftlichen Erwartungen wider. Natürlich haben wir uns damals keine Gedanken über andere Möglichkeiten des Familienzusammenlebens gemacht, für uns gehörte es zur „Normalität“, dass es in einer „richtigen“ Familie einen Vater, eine Mutter und Kind(er) gibt – und zwar genau in dieser Reihenfolge. Und dass sich der Vater eher im Außen bewegt und die Mutter für das Innere, sprich für das Wohlergehen der Familienmitglieder, verantwortlich ist.

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Kindheit heute – Zwischen zwei Welten

Kindheit

Tagein tagaus hetzen wir durch unseren Alltag. Alles was wir tun ist mehr oder weniger durchterminiert. Unerwartetes versetzt uns in Stress, der Zeitplan gerät durcheinander und wir müssen ihn neu organisieren. Auch die kleinen Menschen werden durchorganisiert, häufig bis ins kleinste Detail. Selbst die Entwicklungsschritte müssen planbar, voraussehbar, messbar und schließlich therapierbar sein. Anhand bestimmter Testverfahren wird die kindliche Entwicklung abgebildet und kategorisiert in „normal“ und „nicht normal“. Kinder, die in letztere Kategorie fallen, müssen selbstverständlich durch professionelle Hände wieder in die Spur gebracht werden.

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Eine bindungsorientierte Sichtweise auf Hass und Diskriminierung

Es scheint, als würde der Ton rauer werden. Die Ellbogen einer großen Mehrheit sind deutlich spürbar, denn das eigene ICH scheint in Gefahr zu sein. Nicht nur das Ich, sondern auch die eigenen Privilegien und Annehmlichkeiten scheinen gefährdet zu sein. So jedenfalls könnte man denken, wenn man hört, liest oder beobachtet, wie Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder anderen (äußeren) Merkmalen diskriminiert und systematisch ausgeschlossen werden. Ich habe mich gefragt, wie die Bindungstheorie dazu beitragen kann, ein respektvolles, demokratisches und friedvolles Miteinander zu leben?

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