Rechte Gewalttaten sind keine Einzelfälle, sondern Teil unseres Problems

Diese Woche hat sich das rassistische Attentat von Hanau zum ersten Mal gejährt. Neun Menschen wurden am 19. Februar 2020 ermordet:

Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov.

Ihre Namen und ihre Geschichte dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Denn Hanau ist kein Einzelfall. Der Täter von Hanau ist ebenso kein Einzeltäter. Neun Menschen – und mit ihnen ihre Angehörigen – haben an jenem Abend ihr Leben verloren, weil Rassismus, Frauenhass, Antisemitismus und damit einhergehend rechte Gewalt noch immer verharmlost werden.

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Ich habe einen Schreibtisch mit einer Aussicht

Heute habe ich die Wohnung bis am Abend für mich alleine. Ich habe mir vorgenommen zu schreiben. Nun sitze ich an meinem Schreibtisch, blicke ab und zu aus dem großen Fenster und sehe den verschneiten Balkon. Ein paar Tontöpfe (da waren Kräuter gepflanzt) vom Sommer stehen noch da, die sind jetzt komplett eingeschneit. Eigentlich müsste ich noch putzen, abstauben, einkaufen, Essen zubereiten und meinen Schreibtisch aufräumen (Die Bücher stapeln sich mal wieder und ein freier Platz ist rar. Selbst die Teetasse muss auf einem der Bücher ihren Platz einnehmen). Schreiben ist Arbeit. Harte Arbeit. Wieviel Kraft, Energie und Denkleistung in einen einzigen Text – was sage ich: In eine einzige Seite, manchmal in einen einzigen Satz – hineinfließen, ist am Ende, wenn man den Text liest, nicht zu erfassen. Ganz im Gegenteil. Ein guter (was heißt schon gut?) Text liest sich leicht, so als sei er in einem Zuge heruntergeschrieben worden und so als hätte man der Autorin die Worte in den Schoß gelegt.

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Nicht alle, die sich Feministinnen nennen, sind es auch

Ich bin recht spät zum Feminismus gekommen. Da war ich bereits in den Dreißigern, hatte schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt und mich dazu entschlossen einen Master in Erziehungswissenschaft zu belegen. Dort kam ich zum ersten Mal mit feministischen Theorien in Berührung. Diese hatten mich regelrecht wachgerüttelt – an manchen Stellen zwar schmerzhaft, an anderen wohltuend. Ich hatte nach und nach das Gefühl, die Dinge, die um mich herum passieren, besser zu verstehen. Schmerzhaft waren die Auseinandersetzungen deshalb, weil ich verstand, dass das Patriarchat nicht vorbei ist (und ich eben lange in der Illusion der echten Gleichberechtigung lebte, obwohl ich Ungerechtigkeiten am eigenen Leib spürte, aber mir selbst die Verantwortung hierfür gegeben habe). Ich habe verstanden, dass Frauen nach wie vor benachteiligt sind. Dass Gleichberechtigung ein Papiertiger ist und wir noch einen (wahrscheinlich längeren) Weg vor uns haben. Und auch, dass nicht alle Frauen solidarisch mit Frauen sind, sondern einige von ihnen ebenfalls patriarchale und frauenverachtende Strukturen reproduzieren.

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Nichts ist wie es scheint. Über Fremd- und Eigenwahrnehmung

Meine Woche war hart. Die Erschöpfung steigt am Ende der Woche jedes Mal an und gleichzeitig ist sie meistens unsichtbar. Es gibt aber Momente in meinem Alltag, bei denen ich zumindest ein bisschen auftanken kann. Dieser hier ist zum Beispiel ein solcher Moment. Das Schreiben lässt mich aufatmen, es gibt mir das Gefühl des bei mir angekommen Seins und ich kann daraus Kraft schöpfen. Diese Woche gingen mir so unglaublich viele Dinge durch den Kopf. Und diese Woche war eine Woche, in der ich sehr viel Weltschmerz in mir hatte. Vor ein paar Tagen habe ich bei Instagram eine persönliche Nachricht erhalten, in der mich eine Abonnentin etwas fragte und zum Schluss folgenden Satz schrieb: „Ich mag deine Art unangenehme Themen anzusprechen und diese zu reflektieren. Manchmal würde ich mir wünschen genauso selbstsicher zu sein.“ Natürlich hat es mich gefreut, gleichzeitig fand ich es total spannend und irritierend, wie ich offensichtlich wahrgenommen werde.

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Eine Ode an die weibliche Wut

Ich bin wütend. Schon lange. Vielleicht schon immer. Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind zurechtgewiesen wurde, wenn ich meine Wut frei äußerte und versuchte mich zu verteidigen. Diese (meine) Wut war nämlich nicht erwünscht, schon gar nicht bei einem Mädchen. Ich würde sagen, dass ich ein sehr wütendes Kind und eine sehr wütende Jugendliche war, denn ich habe die Ungerechtigkeiten gespürt, aber konnte sie meistens nicht in Worte fassen, geschweige denn sichtbar machen.

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