Alle Artikel von Sandra Siehl

Was meine Angst zu versagen mit der Anzahl der Follower*innen zu tun hatte

Im Jahr 2009 habe ich mich bei Facebook angemeldet, davor war ich bei Studi-VZ. Damals ging es vor allem darum sich mit Freund*innen und mit Bekannten zu vernetzen. Man hat Leute „von früher“ (ich war damals Anfang zwanzig) wieder entdeckt und mit ihnen geschrieben. WhatsApp gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich habe vielleicht ein paar Bilder von meinem Urlaub am Bodensee gepostet oder hin und wieder das Profilbild gewechselt, das war’s dann auch schon.  

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Verflechtung von Sexismus, Antifeminismus und der Neuen Rechten

Die Journalistin Laura Himmelreich hatte 2013 im „Stern“ einen Artikel veröffentlicht, der den damaligen Spitzenkandidaten der FDP für die Bundestagswahl, Rainer Brüderle, portraitierte. Der Titel des Artikels lautete „Der Herrenwitz“ und Himmelreich schilderte darin, weshalb es kaum möglich war, sich auf professioneller Ebene mit Herrn Brüderle zu unterhalten. Er habe zum Beispiel auf ihre Brüste gestarrt und gemeint, sie könne ein Dirndl ausfüllen:

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Oh Instagram, was hast du aus mir gemacht?

Ich habe immer mal wieder Instagramkrisen und verfluche diese digitale Welt. Gleichzeitig merke ich oft gar nicht, wie ich mein Smartphone in die Hand nehme und diese App öffne. Jene Handlung scheint schon in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Ich schaue mir unendlich viele Stories an und beobachte dabei wie Menschen mit dem Hula-Hoop-Reifen im Rhythmus schwingen, wie sie ihre Wohnung putzen oder wie sie ihren Alltag gestalten. Im Nu verbringe ich 30 Minuten am Stück mit Instagram (mehrere Male am Tag) und fühle mich danach teilweise einfach nur schlecht. Oder aber ich habe mich influencen lassen und glaube eine Sache ganz dringend zu benötigen.

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Coronaweihnachten

Es ist kurz vor Weihnachten und wir befinden uns mitten im Lockdown. Wer hätte sich dies vor einem Jahr träumen lassen? Irgendwie hatte ich mir das Jahr 2020 auch anders vorgestellt. Und nun stehen die Weihnachtstage und Silvester kurz bevor und wir alle fragen uns, was ist erlaubt und was nicht? Dürfen wir jetzt noch die Tante aus Hamburg und den Onkel aus Bayern sehen? Und warum zählen Kinder unter 14 nicht? Überhaupt ist doch Weihnachten das Fest der Liebe. Das Fest der Familie. Das Fest der Kinder. Das Fest der Geschenke. Das Fest des Beisammenseins. An Weihnachten wollen wir mal nicht über das Virus nachdenken. An Weihnachten wollen wir einfach ein Stück Normalität erleben und im wahrsten Sinne des Wortes näher zusammenrücken.

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„Wir müssen Kinder wohlwollend behandeln“ – Ein Gespräch mit Herbert Renz-Polster

Kinderarzt und Buchautor Herbert Renz-Polster

Wir erleben hier in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern weltweit, einen Rechtsruck. Rechtspopulistische Parteien etablieren sich und auch der politisch-gesellschaftliche Diskurs scheint weiter nach rechts zu rücken. Wie konnte es so weit kommen? Wie entstehen autoritäre Haltungen und Strukturen? Der Kinderarzt und Wissenschaftler Herbert Renz-Polster hat sich genau mit diesem Thema auseinandergesetzt und ein Buch geschrieben („Erziehung prägt Gesinnung“ – erschienen im Kösel Verlag). Ich habe mich mit ihm getroffen, wir haben über Politik, Gesellschaft, Bildung und Pädagogik gesprochen und darüber wie all das miteinander zusammenhängt.

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